LANGEWEILE ODER PAUSEN OHNE GEZIELTE AKTIVITÄT - KÖNNEN WIR UNS DAS HEUTE NOCH LEISTEN?

 
Die wissenschaftliche Sichtweise
 
Wissenschaftler konnten erst im Vergleich mit dem Nichtstun jene Gehirnregionen ausmachen, deren Aktivität beim Lösen einer Testaufgabe ansteigt. Die Ergebnisse ließen Hirnforscher wie Marcus Reichle vor Jahren stutzen: Er hatte Versuchspersonen darum gebeten, vom Nichtstun zu einer gezielten Aktivität überzugehen. Dabei stellte er fest, dass sich in bestimmten Hirnregionen genau das umgekehrte Muster zeigte: Die Aktivität der Nervenzellen nahm nicht - wie erwartet - zu, sondern ab. Irritierend war der Effekt auch, wenn die Personen, die sich für das Experiment zur Verfügung gestellt hatten, aufgefordert wurden, sich nicht zu konzentrieren: Dann stieg die Aktivität dieser Hirnregionen sprunghaft an. Diese Beobachtungen hatten sich auch schon dem Kölner Psychiater und Neurowissenschaftler Kai Vogeley gezeigt, der herausfinden will, was unser Gehirn tut, wenn es nichts Besonderes tut.
 
Marcus Reichle nannte diese aktiven Hirnregionen "Default Network", also "Leerlauf-Netzwerk". Andere bezeichnen es als Offline-Modus. Nach seiner Meinung erfüllt dieses Netzwerk eine Basisfunktion im Gehirn, die anspringt, wenn wir nicht bewusst nachdenken, sondern unsere Gedanken schweifen lassen.
 
Anerkannt ist in der Wissenschaft, dass dieses Netzwerk existiert.
 
Auch wenn viele Fragen hierzu von den Wissenschaftlern noch nicht geklärt werden konnten, steht außer Frage, dass diesem Leerlauf-Netzwerk eine große Bedeutung zukommt. Bemerkenswert ist, dass diese Hirnregionen selten von Schlaganfällen betroffen sind, obwohl sie einen hohen Energieverbrauch haben. Der Neurologe Andreas Kleinschmidt sieht den Zusammnehang darin, dass die Regionen sehr gut durchblutet sind und das es sich möglicherweise um einen Schutzmechanismus handelt. Die Funktion des Leerlaufmodus könnte so wichtig sein, dass sie vor einem Ausfall geschützt werden muss.
 
Verschiedene Erklärungsansätze beschäftigen sich mit der Frage, worin denn die Funktion besteht. Die Grundlage der Modelle bezieht sich auf die Frage, was Schlaf, Koma und Tagträumerei miteinander zu tun haben. Gemeinsam ist ihnen, dass das Leerlauf-Netzwerk in diesen Zuständen seine Aktivität hochfährt.
 
 
Was bedeutet das?
 
Das Fehlen von Information von außen, die sonst auf das Denkorgan einwirken und es zum Reagieren zwingen, ermöglicht unter Umständen, dass es sich dann in einem Zustand befindet, in dem das Zentrum des Bewusstseins sich mit sich selbst beschäftigt.
Das spiegelt sich auch im Energieverbrauch des Gehirns wider: Die Aktivitätssteigerungen, die Hirnforscher bei gezielten Aufgaben messen, sind verschwindend gering. Das Gehirn beansprucht ca. 20% unseres Energieverbrauchs. Dabei macht unser Gehirn nur 2% der gesamten Körpermasse aus.
 
Diese Leerlauf-Netzwerk reagiert auf Konzentation mit sinkender Aktivität. Untersuchungen weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Ich-Bewusstsein und dem Leerlauf-Netzwerk geben könnte: Bei Kindern bis zu 10, 12 Jahren war dieses Netzwerk noch nicht besonders aktiv. Das galt ebenso für Alzheimer-Patienten.
 
 
Aber welche Bedeutung hat diese Forschung für unseren Alltag?
 
Vom Schlaf weiß man, dass das Gehirn dann eine lebenswichtige Aufgabe erledigt: Es beschäftigt sich noch einmal mit dem, was wir vorher erlebt haben. Das tägliche Befeuern des Gehirns mit Informationen würde das Gehirn in ein gefährliches Ungleichgewicht stürzen, wenn es nicht Ruhepausen gäbe, in denen es sich selbst überlassen ist, um seine Netzwerke neu zu organisieren, das Gelernte zu ordnen und zu verarbeiten.
 
Dabei heißt Langeweile doch nichts anderes als eine lange Weile Zeit zu haben, oder?
 
Viele Menschen glauben, Pausen nicht in ihren Alltag einbauen zu können oder auf die Langeweile ihrer Kinder mit Angeboten reagieren zu müssen. Bedenklich ist, dass das heute auch schon von vielen Kindern geäußert wird. Hier könnte einer der Schlüssel liegen, warum Kinder heute in der Verarbeitung von Informationen Probleme haben, zunehmend unruhiger und unkonzentrierter werden. Auch wenn sie noch nicht über das Ich-Bewusstsein verfügen, bedeutet es, dass das Kind zwar nicht über sich selbst nachdenkt, aber Erlebtes und Gelerntes verarbeiten muss.
 
Nicht nur die Kinder, die sich gerade in einer Therapie befinden und neben ihren täglichen Lernerfahrungen in Kindergarten und Schule in der Therapie Neues aufnehmen und zu verarbeiten haben, brauchen Pausen. Nicht nur nach einer Therapiephase, sondern bereits währenddessen.
 
Oft soll der Urlaub die Erholung (auch unseres Gehirns) ermöglichen. Das lässt sich aber nur im Alltag realisieren, in regelmäßigen täglichen Pausen, in denen Kinder und Erwachsene Raum haben für eine Erholung des Gehirns, auch um  Gedanken schweifen lassen zu können und Erlebtes sowie Erlerntes zu verarbeiten.
 
Das heißt aber auch, scheinbare Langeweile aushalten zu können, um sie dann vielleicht irgendwann genießen zu lernen.
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen genussvolle "Jeden Tag-Träumerei" und Ihren Kindern zur Gesundheit beitragende Langeweile.
 
Eingestellt am 6.02.2011
 
 
 

LERNEN LERNEN

 
Warum Lernen als Thema auf der aktuellen Seite?

Jede/Jeder von uns hat individuelle Erfahrungen zum Team Lernen gemacht. Nicht immer sind diese nur mit positiven Gefühlen in der Erinnerung verbunden. Oft sind sie uns unsere Strategien, wie wir gut lernen, nicht bewusst. Oder wir denken, was für mich gut ist, hilft sicher auch meinem Kind. Mittlerweile ist anerkannt, dass nicht jeder Mensch auf die gleiche Weise gleich gut lernt.

Wenn wir lernen, Lernstrategien und Lerntechniken für uns oder unsere Kinder bewusst einzusetzen, kann Lernen im Alltag, in der Schule oder in der Therapie leichter, effektiver und optimierter erfolgen.


Was steht beim Lernen im Vordergrund?

Lernen ist ein selbstgesteuerter und selbstorganisierter Prozess, es geht um Kompetenzentwicklung, um die Entwicklung sinnvollen Handelns.


Was sind die wichtigsten Vorraussetzungen?

Basisvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen bei Kindern sind:
  • Die erfolgte Befriedigung von Körperbedürfnissen,
  • Das Gefühl von Sicherheit und das Fehlen von Angst,
  • Eine sichere Bindung zu den Bezugspersonen,
  • Ein altersangemessenes Selbstvertrauen,
  • Wertschätzung erfahren zu haben,
  • Gelernt zu haben sich selbst zu achten,
  • und die Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen.

Das Kind benötigt unter anderem
  • eine ausreichende Aufmerksamkeit,        
  • die Bereitschaft etwas von Anderen anzunehmen.

Wie funktioniert Lernen?

Jedes Verhalten ist zielorientiert. Die Entwicklung der Motivation ist abhängig davon, wie wichtig dem Lernenden das Ziel ist. Denn erinnern wir uns an die eigene Lerngeschichte: Lernen ist anstrengend und nicht immer nur von Erfolgen begleitet. Was hält also die Lernmotivation aufrecht:
  • Erfolgserlebnisse
  • ein angemessenes Lerntempo
  • freie Gedanken und Gefühle
  • klare und bewusste Lernziele und Lernaufgaben

Erst nach 2000-5000 Wiederholungen erreichen wir eine Automatisierung. Dann beginnt Lernen Spaß zu machen.

Deshalb ist     
1. die Zielrichtung
2. der Einsatz von Techniken und Strategien wie
  • Wiederholungsstrategien,
  • Organisationsstrategien,
  • Lernstrategien,
  • Elaborationsstrategien (Lerntätigkeiten, die dazu geeignet sind, neu aufgenommenes Wissen in das bereits vorhandene Wissen zu integrieren),
  • Reduktionstechniken, z.B. über Schlüsselwörter etc. wesentlich.

Daraus ergibt sich also zunächst die Frage an das Kind: Was ist dein Ziel?
Und für die Erwachsenen bedeutet das, sich zu fragen, wie kann ich das Kind unterstützen, damit es sein Ziel erreicht?


Die Zielrichtung
Man unterscheidet genetische und gelernte Ziele:
Genetische Ziele sind: Kontakt und Wärme
Gelernte Ziele sind: Beziehung und unbewusste Sprache

Das heißt, dass die Bezugspersonen, ob Eltern, Lehrer und Lehrerinnen, Therapeuten und Therapeutinnen für das Lernen eines Kindes von zentraler Bedeutung sind.

Hilfreich ist die positive Haltung, bestehend aus:
  • Blickkontakt
  • Lächeln
  • Loben spätestens nach einer Sekunde
  • Stimmmodulation

Untersuchungen haben gezeigt, dass Loben nur dann sinnvoll ist, wenn dies spontan erfolgt, also ca. 1 Sekunde später. Nach 3-4 Sekunden kommt das Lob nicht mehr im Unbewussten an. Hat das Kind sein Ziel erreicht, braucht es die Person nicht mehr. Dann ist die Aufgabe wichtiger. Lob ist dann auch nicht mehr von Bedeutung, wenn das Ziel begriffen wurde.

Destruktiv wirken : 
  • Kein Lob
  • Ein verzweifeltes Gesicht
  • Andere Strafreize wie Seufzen
  • Augenbrauen hochziehen
  • Sich abwenden etc.
     

Techniken und Strategien
Wie bereits oben beschreiben, gibt es unterschiedliche Lerntypen. Wichtig ist herauszufinden, zu welchem Lerntyp der Lernende zählt, um von den zur Verfügung stehenden Strategien und Techniken profitieren zu können. Zu welchem Lerntyp ein Mensch gehört, kann durch Tests ermittelt werden.

Eine der frühesten Gedächtnisstrategien ist die Wiederholung.
  • Arbeiten Sie mindestens 5 Minuten, da eine Übertragung 5 Minuten als Mindestzeitraum braucht.
  • Nutzen Sie das Zeitfenster von 24 Stunden, da dies die Zeitspanne für die Übertragung vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis ist. Das heißt, dass dies der Zeitrahmen ist, um das erste Mal das Erarbeitete zu wiederholen.
  • Lernen Sie oder Ihr Kind für eine Arbeit, Prüfung etc., darf nach dieser Zeit keine Reizüberflutung, wie z.B. durch Fernsehen oder Computer, stattfinden, da sich Informationen überlappen, wenn nach einer primären Information andere Kurzzeitinformationen gegeben werden.
  • Lautes Sprechen ist hilfreich für den Lernprozess. Das heißt, zu Lernendes lesen. laut sprechen, erfassen und strukturieren.

Lernen Sie mit Kindern, lassen Sie das Kind möglichst viel über Versuch oder Irrtum herausfinden und helfen Sie nicht gleich.
 
Eingestellt am 26.02.2010
 
   

 

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